NEiD
Lesetext Quelle: Elfriede Jelinek
Hörtexte Quelle: BR Hörspielpool
Nicht in Form privater Lektüre und geordneter Leseakte, sondern in Äquivalenz zur Rezeption von Texten im Netz erfährt
der Hörer in der Hörspielfassung Wege und Umwege, Verknüpfungen und Hänger der Suchmaschine "Neid".
Fortsetzungsroman, Bekenntnisliteratur, Künstlerinnenroman, Autobiografie, Internet-Tagebuch? Elfriede Jelineks Literatur
sträubt sich seit jeher gegen eindeutige Zuschreibungen und mit ihrem aktuellen Roman Neid ist das nicht anders.
Zwischen dem 3. März 2007 und dem 24. April 2008 hat die Autorin ca. 936 Seiten Text unter der Gattungsbezeichnung
"Privatroman" auf ihrer Homepage online gestellt.
Privat ist der Text zunächst deshalb, weil er unabhängig von einem Verlag direkt dem Leser übereignet wird.
Ein Privatroman ist Neid aber auch, weil die Autorin umfangreich Aspekte der eigenen Biografie in den Text mit einbezogen hat.
Elfriede Jelinek ist mehr denn je anwesend in ihrem Text, dies aber auch nur deshalb, weil er sich aufgrund seines Erscheinens
im Internet als vorhanden und abwesend zugleich erweist, jederzeit im Netz verschwinden oder daraus entfernt werden kann.
"Gespensterhaft" nennt Jelinek diese Erscheinungsform, die Autorin, Erzählerin, den Roman und die darin enthaltenen figuralen
Restbestände und Themen eint. Untot sind die Ich-Erzählerin, ihre Hauptfigur Brigitte K. und die Opfer in der NS-Vergangenheit
des Ortes Erzberg, dem fiktiven Schauplatz des Romans. Hier wird nach dem Niedergang des Erzbergbaus und dem Abbau von
Arbeitsplätzen um Einwohner und Touristen gekämpft. Vorlage für den Ort der Handlung ist Eisenerz in der Steiermark, dessen
Bemühungen um Fremdenverkehr in den grotesken Gegensatz zur österreichischen Einwanderungspolitik oder dem sogenannten
Eisenerzer Todesmarsch gerückt werden, bei dem 1945 mehrere tausend Juden umkamen.
In Erzberg lebt auch Brigitte K., Geigenlehrerin, betrogene Ehefrau, hintergangene Geliebte und phantomhafte Protagonistin des
Romans. Ihre Existenz als lebende Tote und schließlich Mörderin scheint in Neid ebenso auf, wie aktuelles Geschehen, etwa die
Fälle Natascha Kampusch oder Amstetten. Im Redefluss der Erzählerin bleibt wenig unberührt, das Erzählte aber letztlich hinter
dem Erzählen selbst zurück.
Neid ist vor allem Rede-Roman: Stilisierte Mündlichkeit, ausgestellte Zerstreutheit, ständiges Neu-Ansetzen, Abschweifen und
das Unterlaufen von Gliederungseinheiten wie Kapitel und Unterkapitel markieren die Verweigerung eines Heimischwerdens
in intakter Erzählung oder Eindeutigkeit. Die Sprecherin blickt zwar auf die es umgebende Welt und hält dieser den Spiegel vor,
wird im ausgefeilten Redeschwall aber vor allem zur permanenten Beobachterin ihrer selbst.
Mit Sophie Rois und Elfriede Jelinek / Komposition: Frode Haltli und Maja Ratkje / Bearbeitung und Regie: Karl Bruckmaier
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Das digital geborene Ich - Zu Jelineks "Privatroman Neid" - vom 23.09.2011 (46,1 MB)
Der "Privatroman Neid" - Antworten von Elfriede Jelinek auf Fragen von Herbert Kapfer - vom 26.09.2011 (45,3 MB)
Jelineks "Neid" als Hörspiel - Regisseur Karl Bruckmaier im Gespräch mit Herbert Kapfer - vom 03.10.2011 (10,1 MB)
Keine Anweisung, keine Auszahlung, kein Betrag, kein Betrug - Jelineks Anmerkungen zu "Neid" - vom 03.10.2011 (12,8 MB)
Der Roman "Neid" in Jelineks Werk - Literaturkritikerin Sigrid Löffler im Gespräch mit Herbert Kapfer - vom 03.10.2011 (31,3 MB)
Neid - Teil 01 von 10 - vom 10.10.2011 (50,3 MB)
Neid - Teil 02 von 10 - vom 17.10.2011 (48,8 MB)
Neid - Teil 03 von 10 - vom 24.10.2011 (53,2 MB)
Neid - Teil 04 von 10 - vom 31.10.2011 (52,5 MB)
Neid - Teil 05 von 10 - vom 07.11.2011 (48,2 MB)
Neid - Teil 06 von 10 - vom 14.11.2011 (49,6 MB)
Neid - Teil 07 von 10 - vom 21.11.2011 (23,0 MB)
Neid - Teil 08 von 10 - vom 28.11.2011 (20,2 MB)
Neid - Teil 09 von 10 - vom 05.12.2011 (52,2 MB)
Neid - Teil 10 von 10 - vom 12.12.2011 (5,8 MB)
Herausgeber:
Thomas Faupel (Sozial- und Theaterpädagoge), Lärchenweg 2, 73084 Salach, 07162 / 46 26 29, kontakt@theaterfuereinjahr.de
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"Das Motiv war Neugier.
Nicht diejenige, die sich anzueignen sucht, was zu
erkennen ist, sondern die, die es gestattet, sich von
sich selbst zu lösen. Was sollte Wissen taugen, das
nur den Erwerb von Erkenntnissen brächte und nicht,
soweit möglich, das Irregehen dessen, der erkennt?"
[...] Michael Foucault 2008: 1161
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"Wasserweg nach Österreich."