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4 LETZTE LiEDER von Nirav Christophe
BLOG von Simon Hoffmann (erstellt im Rahmen der Jahresarbeiten für die Freie Waldorfschule Engelberg)
Weblogbuch der Probenarbeiten und Aufführungen vom 01.10.2009 bis 29.09.2010 (Theater für ein Jahr!)
01.10.2009
Ich glaube angefangen hat es damit dass meine Klasse ein Klassenspiel machte, in dem ich eine der Hauptrollen spielen durfte.
Dieses Klassenspiel hieß "Der Goldene Brunnen" und entfachte meine Liebe zum Theaterspiel. Als das Klassenspiel vor bei war,
wollte ich unbedingt weiter Theater spielen. Da kam meine Mutter ins Spiel. Sie kannte einen Mann oder besser gesagt einen
Regisseur namens Thomas Faupel. Er machte, so erzählte mir meine Mutter, immer ein Theaterstück pro Jahr, das er mit einem
Ensemble einstudierte. Dabei ging er so vor, dass er sich als erstes ein Stück und dann sein Ensemble aussuchte.
Wir organisierten ein Treffen bei dem wir über ein Stück sprachen das "Vier Letzte Lieder" hieß. Es handelt von einem authistischen
Frisör. Das Stück wird nicht, wie alle andere Stücke, vorwärts gespielt sondern rückwärts. Das Stück beginnt mit dem Tod von
Herr Blijschotten, einem Frisör und spielt rückwärts wie er mit Nina seiner Frau streitet und weiter zurück wie sie sich kennen lernen
und wie sein Opa stirbt und weiter zurück wo er im Keller seines Opas erfährt dass die Menschen plemplem seien und, dass er
keinem Erwachsenem trauen könne. So viel zum Stück. Thomas entschied, dass ich zu seinem Ensemble gehören sollte, das dieses
Mal nur aus drei Personen besteht, eine Frau namens Birgit sollte die dritte Person sein. Wir lasen das ganze Stück durch und es
gefiel mir obwohl es sehr schwer zu verstehen war. Eigentlich ist das Stück ein Hörspiel das Thomas im Radio hörte. Es gefiel ihm
damals vor zehn Jahren so sehr dass er bei dem Radiosender anrief, kurz darauf besaß er das Hörspiel schriftlich und er führte es
2002 auf. Jetzt wollte er es wieder spielen. Thomas Faupel macht seit 5 Jahren "Theater für ein Jahr".
15.10.2009
Die Tür war offen. Wir traten ein und hörten schon die laute Stimme von Thomas. Ich erzählte von meiner Stimmbildnerin
beim Hymnus. Ich hatte als Hausaufgabe, die "Vier letzten Lieder" von Richard Strauß zu proben, die ich dann live beim Auftritt
nächstes Jahr singen soll. Und als Sicherheit dass, wenn ich bis dahin im Stimmbruch sein sollte, wollen wir am 08.11.09 in einem
Radiostudio meine Singstimme aufnehmen.
Dies wollte ich mit meiner Stimmbildungslehrerin üben: "Hallo, hmh, ich soll die Vier letzten Lieder von Strauss einüben." sagte ich
zu meiner Lehrerin. "Wie bitte?" fragt diese ungläubich "Die vier Letzten Lieder? Des singst du mir net. Des is viel zu schwer,
nichts für einen Knaben!" sagte sie streng. "Ich hab mich daran auch mal geübt." sagte sie. "Das war so was von schwer!
Wir können gerne Bacharien singen, aber nicht Strauß!" sagte sie entrüstet. "Ok, das stimmt, Frühling ist ziemlich schwer."
stellte ich fest. "Nicht nur Frühling ist schwer, alle vier Lieder sind schwer!"sagte sie. Das war ja mal der Oberammer!
Jetzt weiß ich, wo ich steh. Nämlich ganz unten! Wenn sie bei so was sagt, dass es für mich zu schwer sei! Das war echt
niederschmetternd. Ich sollte es ja, nach ihr, nicht mal probieren dürfen! Ich beschloss es trotzdem zu versuchen und wenn es was
geworden ist werde ich mit der CD und einem Rekorder in den Hymnus gehen und sie hören lassen, dass ich es kann.
Als mein Vater gegangen war, sagte Thomas " So. Birgit hat uns etwas vorbereitet, zur Einübung.
Wir begannen Birgits schwere Übungen nachzumachen. Als erstes mit dem Körper, dann mit der Stimme. Danach spielten wir
wie Marionettenpuppen an Schnüren und bewegten uns so. Danach machten wir den "Dinosaurier Rex " nach. Dann begannen
wir herumzulaufen und zu versuchen einen neuen Charakter, nämlich den Charakter den jeder für sich seine Rolle erdachte, zu
verkörpern, also nicht mehr Simon sondern Flip sein, mich so zu verhalten wie ich mir dachte, dass der Flip sich so verhalten
würde. Ich spielte den Jungen Flip, Thomas später dann, ihn, in den mittleren Jahren und am Schluss als Opa. Ich schlug vor,
für das Symbol oder Erkennungszeichen, eine Art sich immer wiederholende Geste des Flip einzuführen, wenn Flip z.B. verlegen,
nachdenklich oder ängstlich ist. Wir wollen immer an der Mitte unserer offenen Jacke reiben und auf der Unterlippe kauen.
Thomas und ich begannen einfach mit einem Wortwechsel unseres Textes und probierten so die erste Szene in verschiedenen
Varianten. Birgit, die sonst nur zugeschaut hätte, beschäftigte sich mit ihrer Rolle als Oma, es sah so klasse aus, dass ich zu ihr
hinschauen musste, und einem Lachanfall bekam. Sie spielte ihre Rolle so ernst und echt, dass ich hätte schwören können das
ihr junges Gesicht für diese Augenblicke der Oma, entsprechend alt aussah. In der Szene, in der ich den jungen Flip und Thomas
den alten Opa spielte, sollte ich als Flip ihm eine Ohrfeige geben. Aber ich muss dazu ja nicht bei ihm stehen und ihn berühren,
ich kann ihm auch eine Ohrfeige verpassen von Fünf Meter Entfernung oder? So spielten wir dann auch. Wir nahmen wie bei
einem Teekesselchenspiel immer den Begriff den niemand erwarten würde oder anders gesagt den, den Schriftsteller Nirav
Christophe so nicht beabsichtigt hatte. Zum Beispiel: Im Text heißt eine Stelle " Tag Opa, wo?" damit ist gemeint wo soll Flip
den Opa hinschlagen. Wir haben daraus gemacht das Flip seinen Opa sucht, denn darauf antwortet der Opa "Hier." Damit
zeigt er eigentlich auf seine linke Wange aber wir haben es umgewendet, so dass er sagt, wo er sich befindet. Mein Vater kam
kurz darauf und unsere erste Probe war damit beendet. Jetzt war ich todmüde. Es war ein ziemlich langer Tag gewesen.
Ich war über 14 Stunden auf den Beinen. Daheim angekommen legte ich mich ins Bett und schlief sofort ein.
29.10.2009
Das EislingerJugendhaus war warm eingeheizt als meine Mutter mit mir ankam. Wir fingen mit den Aufwärmübungen an,
die Birgit vorbereitet hatte. Danach machten wir einen Durchlauf der vierten Szene, zuerst sprachlich, danach spielerisch.
Es gibt einen längeren Dialog zwischen Flip und seinem Opa, wo Flip zuhören muss. Ich wusste nicht, was ich dabei spielen
sollte, weil es (so denke ich) ziemlich künstlich oder gespielt aussieht. Ich fragte in der Essenspause wie ich in der Szene spielen
solle, die Antwort war nichts! Ich solle einfach zuhören und dann kämen mir automatisch Gedanken, was ich machen könne,
damit es echt wirkt. Und eines war ganz wichtig für mich, nämlich mit den Händen nichts tun. Als wir danach noch einen
Durchgang probierten, konzentrierte ich mich darauf, als wäre ich wirklich in dieser Szene, und stellte mir vor, was ich, in so
einer Szene selber machen würde und so spielte ich es.Jetzt wollte Birgit uns was zeigen. Wir sollten im Zimmer umhergehen
und verschiedene Laufstile versuchen oder verschiedene Gesten mit den Beinen spielen. Also nicht mit dem Körper z.B. zögerlich
oder ängstlich spielen sondern mit den Füßen. Als Thomas sich einen Kaffee holen ging erstellten Birgit und ich eine Liste, wie
wir uns vorstellten wie Flip ist :
Unsicherheit; Ängstlichkeit (mit der Geste des Fingerknuppelns an der Kleidung)
Nachdenklichkeit (Lippen kauen)
Reden (langsam, stotternd)
Laufen (langsam, schlurfend ein bisschen Träge, leicht x-beinig, skeptisch, unsportlich, schlaksig, träumerisch, schlapp)
Die sechs Stunden gingen wie im Flug vorbei und waren mir ziemlich lehrreich.
Wir Treffen uns wieder in zwei Tagen. Ich platze fast vor Vorfreude.
31.10.2009
Heute waren meine Mutter und ich etwas früher beim Jugendhaus als Birgit. Mama hatte zuhause Flachswickel gebacken,
die sie uns für die Probe zukommen lassen wollte, wir haben sie aber zuhause vergessen. Deswegen holten wir beim Bäcker
einen Heefezopf. Thomas und ich aßen ihn schon vor der
Probe halb. Wir begannen mit Birgits
Aufwärmübungen, wobei
Thomas über Muskelkater klagte. Ich hatte auch Muskelkater in den Oberschenkeln, denn eine Übung hat es wirklich in sich.
Man musste ein Bein heben, dass der Oberschenkel im rechten Winkel mit dem Bauch und der Hüfte in der Luft hängt.
Man sollte nur die Waden kreisen lassen, der Oberschenkel durfte sich nicht dabei bewegen. Die Übung mussten wir drei
Minuten mit Richtungs- und Beinwechsel durchführen. Das geht in die Muskeln! Thomas spannte drei rote Fäden durch das Zimmer,
woran wir uns orientieren konnten. Birgit hatte Probleme, weil Thomas die Schnur nicht mehr losließ. Sie riss sie ihm immer
wieder aus der Hand. Wir probten die dritte Szene, in der der erwachsene Flip sich in Nina verliebt. Ich spreche die Gedanken
von Flip, wie er sich an seinen Opa erinnert. Wir treffen uns wieder am kommenden Donnerstag.
Jetzt kann ich schon fast alle Lieder von Strauß.
05.11.2009
Die Lichter brannten hell als mein Vater mit mir an diesem Donnerstagabend ins "Talx" kam. Das Jugendhaus war nicht eingeheizt
weswegen Birgit ein bisschen fror. Als wir alle Aufwärmübungen gemacht hatten wollte Thomas mit uns die dritte und vierte Szene,
nur mündlich zweimal durch sprechen als Vorübung für den Sonntag, wo wir im Göppinger-Radio-Studio "Fips" das Stück
aufnehmen wollen. Dort wird dann auch eine Aufnahme der Lieder von Strauß gemacht. Als ich die Lieder am vorherigen Tag mit
meinem Vater durchsang, merkten wir dass ich zwei Lieder nämlich "Frühling" und "Beim Schlafen gehen" nicht singen konnte,
denn mit meiner Stimme geht es langsam bergab. Wir lasen die beiden Szenen zu Thomas Zufriedenheit. Manche Text-Dialoge,
die ich als sprechende Gedanken von Flip sprechen muss, sind eher für sich. Andere wiederum nach außen.
08.11.2009
Das Radiostudio, eine Außenstelle des Landratsamt, war unten im Keller der Göppinger Medienwerkstatt. Alles war vorbereitet
und ein Mann der ziemlich geduldig war, hatte das Studio schon aufgeschlossen. Ich hatte während der Fahrt schon Singübungen
gemacht und wir fingen auch schon gleich mit den Liedern "Abendrot" und "September" an. Ich musste in eins der drei verkehrt
herum stehende Mikrophone hinein singen. Ich bekam auch Kopfhörer die meine Ohren vollkommen bedeckten, so sang ich als
erstes "September". Ich machte insgesamt fünf Aufnahmen der Lieder, drei von "September" und zwei von "Abendrot" wobei die
letzten von beiden die besten waren. Wir machten auch die Aufnahme der dritten und vierten Szene wobei wir immer kleine
Abschnitte lasen. Am Schluss hörten wir noch ein bisschen rein. Ich war begeistert. Dies wird echt ein gutes Andenken.
19.11.2009
Die Stühle standen an der Wand, als mein Vater mit mir das Talx betrat. Thomas und Birgit waren schon da, und Thomas sagte ich
solle nächste Woche Donnerstag zu einer Gesangslehrerin gehen, die er gut kennt. Dann sagte er, dass wir die heutige Probe in seinem
Keller, bei ihm zuhause ab hallten sollten.Um das Gefühl für ihn und mich, wenn wir auf der Bühne im Keller spielen, zu erwecken
wie es sich an fühlt. Gesagt getan, wir fuhren in den Lärchenweg 2. Zu Birgits Erleichterung war der Keller warm. Wir fingen an die
Aufwärmübungen zu machen und mir fiel auf, dass es mir, trotz der zweiwöchigen Pause, doch leichter ging als sonst immer. Thomas
stellte ein nicht funktionierendes altes Telefon auf einen alten Holztisch. Und so ging es los, ich fing einfach an als Flip mit meinem
namenlosen Vater zu telefonieren. Thomas legte die CD, die wir im Radiostudio Fips gemacht hatten, ein. Wir ließen sie laufen und
spielten irgendwas. Ich als Kleinkind, Birgit als meine Oma und Thomas als meinen Opa. Zum ersten Mal spielte ich Schau, ohne
einen Vorsatz, ohne das etwas, belegte was ich machen soll. Wir spielten einfach und ich dachte nicht mehr als Simon sondern als
kleiner Flip. Ich hatte mich quasi verwandelt. Es war ein klasse Erlebnis und ich denke, dass es mir viel gebracht hat.
23.11.2009
Diesmal waren wir zuerst da. Meine Mutter und ich wussten nicht ob wir an der falschen Stelle warteten, aber dann kamen sie.
Als wir in den Saal des Luther-Gemeindehauses traten überraschte uns die schiere Größe und Höhe des Raums. Bei dieser
Probe mussten wir die ganzen Wege umgestalten. Birgit war sogar dafür, dass wir nochmal eine Probe in diesem Saal, mit den
Szenen III. und IV. machen sollten. Wir gestalteten die Wege so, dass es besser zu verstehen war, mit den verschiedenen Zeit
Einschüben. Jetzt kam mehr Bewegung in die Szenen, aber wir brauchten sehr lange bis wir uns einig waren mit den Wegen.
Meine Mutter kam und staunte über die Modernität dieses Gemeindehauses, genau so wie ich es drei Stunden zuvor getan hatte.
Die Probe war vielversprechend für das Stück.
02.12.2009
Diesmal kamen Thomas und Birgit zu uns nach Hause. Meine Mutter hatte Salat gemacht, den es dann auch zu essen gab. Wir
verplauderten die Zeit weshalb wir auch nicht zum Proben kamen. Aber wir legten die Neuen Probentermine fest. Dann wollte
Birgit meine Objekte, die ich schon seit drei Jahren mache, sehen. Ich zeigte ihr ein paar meinen, aus Holz und Wachs konstruierten
Objekten.
03.12.2009
Ich starrte auf eine braune Tür die mit einem Eisenklopfer versehen war. Sie öffnete sich und dahinter erschien eine Frau mit
braunen Haaren. Sie trug ein kleines Kind auf dem Arm. Sie umarmte Thomas und schon ging es in ihr Gesangzimmer. Diese
Frau hieß Angela Hack. Sie hatte mit Thomas in einem anderem Theaterstück, das "Antoniusfeuer" hieß, mitgewirkt. Thomas
beschäftigte sich mit dem kleinen Timon während wir uns einsangen. Sie sagte ; ich solle mit dem Gefühl, die Nase sei offen, singen.
Also nicht so wie bei meinem Chor, wo wir alles sehr schön und rund singen. Thomas bat Angela, sie sollte das Lied "Frühling"
so verändern, dass ich es singen kann und er wiederholte immer wieder "Das Lied soll nicht von Simon Gesungen werden.
Simon soll das Lied singen.". Die drei Stunden Gesangsunterricht haben mir bestimmt sehr geholfen.
10.12.2009
Im Talx erwartete mich schon ein leckerer, heißer Punsch, als ich mit meinem Vater eintrat. Wir redeten über die Kulissen Bühne
auf der wir im Oktober auftreten werden. Thomas möchte diesmal mit mehr Technik arbeiten. Die beiden hatten sich überlegt,
ob sie nicht bei der Liebesszene zwischen Flip und Nina in einem Bett sein sollten. Sie wollten die Bettszene im Stehen spielen.
Ich schlug vor, dass die beiden auf einer Matratze auf dem Boden liegen sollten und dass sie dann von oben, von einer Kamera
gefilmt würden, so dass die Zuschauer sie nicht sehen konnten, sondern nur auf einer Leinwand dahinter. Ich war von der Idee
so ergriffen, dass ich es auch mehrmals erwähnte. Wir haben noch mehr über das Thema diskutiert, bis mein Vater kam. Als
Weihnachtsgeschenk schenkte mir Birgit eine schöne Lavalampe, welche die Farben rot und blau in sich trägt. Ich freute mich
sehr über ihr Geschenk. Für die beiden habe ich mir auch was überlegt, mal sehen wie sie das finden!
05.01.2010
Dieses Treffen war ein ganz besonderes, denn wir verabredeten uns bei "Wühli" in Schorndorf, einem Gebrauchtkleidermarkt.
Als wir dort ankamen, schickte uns Thomas auf Oberbekleidungssuche. Birgit hatte in nur einer Stunde einen großen Haufen
Pelzmäntel gefunden. Ich hatte drei Jacken und eine schöne Mütze. Dies Kleider sind unsere Kostüme aber nach den Aufführungen
dürfen wir sie behalten.
06.01.2010
Heute war Dreikönigstag und wir hatten einen Auftritt in der Lutherkirche. Als ich mit meiner Mutter in die Kirche kam, blies
uns fast der Posaunenchor wieder raus. Sie spielten so laut, dass ich meine Mutter neben mir nicht mehr verstand. Nach
Händeschütteln mit den drei Pfarrern ging es auch schon los. Birgit trug als erstes ihr Gedicht über Maria und Josef vor.
Danach war ich mit meinem Gedicht über die drei Könige dran und schließlich sang ich noch "Drei Könige wandern aus Morgenland"
und ich bekam sogar einen extra Applaus. Dann kam noch Thomas mit seinem Gedicht über Engel ohne Flügel. So gestalteten
wir den Gottesdienst mit.
07.01.2010
Als wir ins Talx kamen, bombadierte uns Thomas buchstäblich mit organisatorischen Dingen. Mir war ein bischen komisch
zumute und do verbrachte ich 45 Minuten lang auf der Heizung. Thomas wollte, dass wir die IV. Szene nochmal durchlesen und
uns Notizen machen, welche Posen wir am Samstag um besten fotografieren können. Doch leider wurde ich krank. So fiel der
Fototermin aus.
14.01.2010
Diesmal probten wir im Luther-Gemeindehaus. Thomas hatte unsere Kostüme dabei, die er in Koffern und Säcken verstaut hatte.
Ich bekam einen alten Lederkoffer. Also probten wir mit den Kostümen und zu meiner Überraschung waren in meinem Koffer
auch noch Boxhandschuhe. In der IV. Szene kamen diese zum Einsatz. Es war ziemlich lustig, einen Boxer zu spielen.
16.01.2010
Meine Mutter fuhr mich zu Thomas. Danach ging es ins Fotostudio in Süßen. Dort sollten Bilder für das große Plakat vor der
Stadthalle entstehen. Die Bilder wurden richtig gut und professionell. Wir machten einzelne und und welche auf denen wir alle
zu sehen waren. Danach fuhren wir aufs Land und dort trafen wir uns mit einer Photographin mit der wir Fotos im Schnee
machten. z.B. Opa (Thomas) lag im Schnee während Oma (Birgit) sich um ihn kümmerte und ich mit den Boxhandschuhen
gegen den Tod kämpfte. Es machte mir trotz der Kälte Spaß. Und später fragte uns Thomas ob wir was dagegen hätten, wenn
die Photographin einige unserer im Schnee geschossenen Bilder an einer Ausstellung zeigen würde. Oder er fragte eher meine Eltern.
21.01.2010
Diesmal war ich nicht so bei der Sache: erst hatte ich gedacht das wir im Talx Probe hatten, dann kam ich eine halbe Stunde
zu spät ins Gemeindehaus und dann hatte ich auch noch meinen Kleider Koffer vergessen. So wie wir es besprochen hatten
lagen Thomas und Birgit auf einer Matratze in der Mitte der Bühne. Und von dort gingen dann die Erinnerungen des Flip aus.
Aber wir kamen trotz meiner Trägheit gut voran.
04.02.2010
Im Gemeindehaus machten wir mit der vierten Szene weiter. Und diesmal war die Probe hammergeil! Wir hatten unterschiedliche
Sachen ausprobiert, wann wir Kleider wechseln sollten und wie schnell das gehen sollte. Wir kamen richtig gut voran und mir
machte es richtig Spaß. Wir probierten neue Wege aus und spielten einfach so wie wir dachten es würde zum Text passen.
Als die Probe vorbei war wollte ich gleich wieder weiter machen und konnte es kaum bis zur nächsten Probe erwarten.
11.02.2010
die Probe war im Talx und da der Raum dort nicht sehr groß war nützte Thomas die Probe zum Text lernen. Sie war sehr
eintönig und nach der letzten Probe sehr deprimierend. Aber ich sagte mir " Solche Proben müssen auch sein, auch wenn mir
das weniger gefiel". Und so vertrieb ich mir die Zeit so, jeden Satz anders zu sprechen. In einer anderen Lage oder lauter oder
leiser, mit verschiedenen Gefühlen und verschiedener Nachdrücke. Und neben her turnte ich durch den Raum, zur Ablenkung
das ich weg von den eigentlichen Gedanken des Textes komm, so Birgit. Es war eine Probe weniger meines Geschmacks.
24.02.2010
Dieses Treffen wurde bei uns in Adelberg abgehalten. Wir besprachen die Termine für den März und April. Ich machte mir
wegen unserem Zeitplan Sorgen. Weil wir ziemlich hinten dran waren. Aber Thomas beruhigte mich. Er mache sich weniger
Sorgen deswegen.
25.02.2010
Diesmal hatten wir bei der Probe Zuschauer was mir weniger imponierte. Bei dieser Probe entstand keine Arbeitsatmosphäre,
was ich sehr schade fand. Mir behagte es nicht mit Zuschauern zu Proben. Da hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, ja keinen
Fehler machen zu dürfen. Ich vergaß vor Nervosität meine Texte. Ich hatte auch nicht das Gefühl zu Proben was eigentlich
"Probieren" bedeutet. Es war eher eine Vorstellung. Aber als der Besuch vorbei war kam das, was ich am Proben so liebe:
wir probierten aus. Und ich traute mich viel mehr. Ich bin gespannt wie die nächsten Proben werden.
04.03.2010
Diesmal wollte Thomas ohne Aufwärmübungen beginnen, da er das Ziel hegte, einzelne Dialoge in Szene IV zu fotografieren.
Aber wir entschieden, mit III. Szene anzufangen. Wir besprachen meinen Weg nach der Szeneneinführung. Wir beschlossen,
dass ich auf den "Krankenhausstühlen" die Gedanken des Flip erzählen sollte. Jetzt mussten Birgit und Thomas überlegen wie
sie am besten von der "Sie-Haltung" in die Betthaltung kommen könnten. Da Flip sehr autistisch ist, wurde es sehr schwer.
Aber nun sollte er auch einen Schritt machen und sie ins Bett führen. Wir brauchten ziemlich lange für diese Sequenz. Und vor
allem das mit dem ausziehen. Ich fragte mich ob Flip wirklich mit angezogener Hose ins Bett gehen sollte. Denn Nina war
schon im Nachthemd nur Flip stand in ganzer Garnitur neben ihr. Er hatte sogar noch sein Hemd an. Wir kamen nicht ganz
in Szene IV rein. Dazu reichte uns die Zeit leider nicht. Aber dafür würden wir am Sonntag sechs Stunden proben können.
Wir besprachen was wir am Sonntag essen sollten. Und es kam ein Picknick heraus.
07.03.2010
Wir fingen wieder mit Szene III an und ich durfte als Jost mein Zeugungsbett aufbauen während sich meine Eltern ineinander
verlieben, so durfte ich auch ihre Kleider beseitigend. Ich finde, das hat einen sehr humorvollen Effekt. Was ich auch sehr gut
finde ist, wenn ich die Gedanken des Flip spreche, erscheint mein Gesicht groß auf der Leinwand. Einmal sage ich "Schauen
sie mich nicht an, bitte, ich schaue sie doch auch nicht an." Eigentlich ist damit Nina gemeint aber es könnte auch das Publikum
sein. Wir machten den Übergang in die IV. Szene. Ich war immer derjenige der eine Szene "hielt", d.h., ich blieb immer stehen
wenn ich Erinnerungen spielte. Birgit war dagegen und es kam zur Diskussion, die ich (Gott sei Dank) gewann. Auch in der
Schneeszene, in welcher ich gegen den Tod kämpfe, hatte ich einen Standort. Beim dritten Mal muss ich in den Schnee und
beim zweiten Mal wechsele ich auf der Bühne den Standpunkt, aber ich wollte, dass das Publikum merkt, dass wir immer
noch am selben Platz sind. Also nutzte ich eine weiße Handtasche, die Oma (Birgit), nach mir geworfen hatte, als Ortsangabe.
Ich schmiss die Handtasche an den Ort, wo sie sein sollte, schon als Vorahnung. Auch da entstand eine wilde Diskussion,
weil ich Birgit erst davon überzeugen musste, warum ich die Tasche versetzte. Mir machte es Spaß, meine Boxhandschuhe
durch die Gegend zu werfen. Am Schluss fingen wir ein bisschen noch mit der II. Szene an.
25.03.2010
Diesmal trafen wir uns zur Kostümprobe. Wir gingen alle Szenen durch und überlegten uns wo wer was anhat. Ich als kleiner
Joost bekam ein Kragen aus Wolle. Heute trafen wir uns nicht zum spielen und da fiel mir auf wie viel ich schon bei Thomas
und Birgit gelernt habe! Von der Sprachgestaltung zur Körperhaltung und Wahrnehmung. Dies fiel mir auch auf als ich in der
Schule ein Theaterstück machte (Projektwoche). Und da merkte ich, dass ich meinen Körper richtig im Griff habe. Und wenn
das so weiter geht weiß ich nicht was ich nach dem Jahr alles gelernt habe.
15.04.2010
Da wir ja in zwei Wochen ins Radiostudio Fips gehen machten wir einen Lesedurchlauf der Szenen I. und II.
Wir probierten verschiedene Arten zu sprechen aus, und verschieden Tonhöhen. Ich war einmal Flip als Opa, dann Flips
Gedanken und einmal Joost. Ich freute mich schon sehr auf den Tag im Studio. Danach werden wir dann alle das Hörspiel
von "Vier letzte Lieder" bekommen. Heute haben wir auch einen Beamer ausprobiert.
22.04.2010
Ich war vor Birgit da und brachte Thomas zwei schlechte Nachrichten. Ich hatte Halsweh. Deshalb konnte ich nicht die Lieder
proben die ich beim Tonstudiobesuch aufnehmen soll. Meine Stimmbildnerin meinte, dass ich kurz vor dem Stimmbruch stehe.
Es könnte morgen losgehen, aber auch erst in drei Monaten. Aber ich versicherte Thomas das mein Halsweh nichts mit dem
Stimmbruch zu tun haben kann, da der Stimmbruch nicht weh tut. Aber ich konnte mir mein Halsweh auch nicht erklären.
Als Birgit kam, machten wir wieder die Szenen I. und II. sprachlich durch. Bei einer Stelle in der I. Szene spiele ich den Flip
im Krankenhaus, da muss ich eine Art "Gebet" denken. Es war lustig zu zu sehen wie sich Thomas und Birgit manchmal in den
Haaren lagen. Leider passiert das nicht so arg häufig. Ich hoffe, dass meine Stimme mich am Sonntag nicht im Stich lässt, aber
perfekt wird es auch nicht, da ich ja nicht üben konnte. Aber so wie es aussieht, wird es mit den Halsschmerzen etwas Längeres.
Das wäre richtig schade.
25.04.2010
Das war der zweite Besuch im Radio Studio Fips. Diesmal nahmen wir I. und II. Szene auf. Dazu währe noch das Lied "Frühling"
und "Beim Schlafengehen" gekommen, hätte ich singen können. Da dies nicht der Fall war konzentrierten wir uns auf die sprachliche
Verständlichkeit. Wir fügten noch ein paar Geräusche hinzu wie das Schneiden von Scheren. Ich musste einer Stelle mit vollem
Mund sprechen, das war nicht ganz einfach.
29.04.2010
Uns wurde aufgegeben weiße Unterwäsche mit einer rosa Schneiderkreide zu bemalen. Dass man Muskeln sehen kann.
An diesem Tag wurde die weiße Unterwäsche bemalt so dass sie unseren Muskeln ähnlich sieht und dass wir keine nackten
Körperteile auf der Bühne Zeigen müssen. Birgit nahm die Aufgabe sehr ernst und dementsprechend sah es dann auch aus.
Mit meiner Hose war ich nicht zufrieden, nur das Oberteil sah cool aus. Es machte sehr Spaß und da wir nur ins Talx konnten
wurde unser Treffen gut genutzt. Es war eher eine entspannte "Probe" und daher ohne Stress und Hektik.
06.05.2010
Gott sei Dank war diese Probe wieder im Gemeindehaus. Eigentlich wollten wir die III. und IV. Szene spielen, blieben aber an
der III. Szene hängen. Birgit und Thomas waren sehr darauf konzentriert wie sie ins Bett kommen könnten. Ich musste ihr Bett
aufbauen, ihre Kleider beseitigen während sie mich quasi schufen. Ich hatte Zweifel ob wir es noch schafften, weil wir nach Thomas
Plan schon fast mit der II. Szene fertig sein sollten. Aber Thomas lies sich nicht in Hektik bringen.
08.05.2010
Meine Mutter hatte mit mir Brötchen für die Blockprobe gekauft. Aber als erstes hatten wir Regieanweisungen ausgetauscht und
aufgeschrieben wer wo was tut. Das half uns sehr bei dem weiteren verlauf der Probe. Diesmal kamen wir locker durch die II. wie
IV. Szene. Nur liess bei mir irgendwann die Konzentration nach, und ich fing an zu schlampern. Da sagte mir Birgit das jeder
Schauspieler lernen muss Geduld zu haben. Weil es manchmal sein kann, wenn man einen Film dreht, dass man für einen gesagten
Satz 8 Stunden proben muss. Von da an versuchte ich vollkommen dabei zu sein.
12.05.2010
Wir trafen uns zur Probenplanbesprechung, konnten aber noch keine genauen Proben festlegen für den Juni und Juli weil ich noch keinen
Hymnus-Probenplan hatte. Zum Schluss schaute Thomas noch den Film an, den ich in der Schule gedreht habe.
20.05.2010
Wir trafen uns im Martin-Luther-Gemeindehaus, das jetzt mein Lieblingsprobenort ist. Diesmal begannen wir mit dem Tod von Flip.
Also der ersten Szene in der ich den alten Flip spiele. Ich habe den Mantel von Flips Großvater an und sitze neben Krankenhauspatienten.
Ich muss einen komischen Text sagen und einmal sagt Birgit etwas Text für Flip. Es war eine coole Probe.
12.06.2010
Dieses Treffen war ein ganz Besonderes: eine Musikprobe in einer Kirche mit Daniela, einer Preisträgerin von "Jugend musiziert 2007".
Es war kalt in der Kirche, machte aber richtig Spaß die eingeübten Lieder zu singen. Thomas lieh mir seine Jacke aus, als ich fror.
Gott sei Dank muss ich von "Frühling" und "Beim Schlafengehn" nicht alles singen. Wir kamen zu einer genialen Lösung die ich noch
nicht verraten will. Thomas kommt es vor allem drauf an, dass ich mit den Liedern das Publikum "beeindrucke". Nach der Probe fuhr
er mich nachhause. Wir planen die nächste Probe mit Daniela für nach den Ferien. Darauf freue ich mich schon jetzt.
17.06.2010
an diesem Abend probten wir zwar im Martin-Luther-Gemeindehaus, aber nicht in dem Saal sondern direkt darunter.
Also hatten wir nicht so viel Platz. Aber wir kamen trotzdem gut voran mit der II. Szene. Ich mußte mich sehr konzentrieren
und das braucht man wirklich wenn man Theater spielt. In dieser Szene sage ich ziemlich wenig.
01.07.2010
Diesmal war Birgit nicht da. Also probte ich nur mit Thomas die IV. Szene, bei der eine lange Phase nur wir beide spielen.
Er als Opa, ich als Enkelkind Flip. Wir setzten viel unsere Finger ein, also arbeiteten wir auch mit Fingerspitzengefühl.
Wir waren beide sehr konzentriert und kamen gut voran. Wir bauten auch ein bisschen Humor mit ein. Uns fiel oft zu unserem Text eine
passende Geste ein, die das ganze noch abrundete. Es machte echt Spaß und die zwei Stunden gingen wie im Flug vorbei.
Ich spielte einfach so wie ich drauf war und versuchte das umzusetzen was, wie ich dachte, zum Text und zu Flip passt.
Und ich glaube, das ist wichtig für Schauspielen. Man muss sich in die Rolle einfühlen.
03.07.2010
Es war ein sehr heißer Tag und wir probten für unseren Auftritt am 08.07.2010 im Kreis-Medien-Zentrum, wo auch das Radio Fips ist,
bei dem wir unsere Tonaufnahmen gemacht haben. Wir wollen die III. und IV. Szene spielen, aber ein bisschen anders soll sie werden,
so sagte Thomas. Zu den Szenen wird ein Wochenschaufilm aus den 1960er Jahren gezeigt werden, der zum Thema Frisuren passte.
In dem Film kommen auch Revolver vor und diese bauten wir auf Papier in unser Spiel mit ein.
08.07.2010
Der Tag der Aufführung!
Als ich zum Kreis-Medien-Zentrum-Göppingen kam und in das kleine Amphitheater trat war schon alles aufgebaut. Also zog ich noch
ein bisschen umher, um meinen Kopf frei zu bekommen. Als Birgit kam stellten wir uns mit Bewegungs-, wie Sprachübungen auf den
Auftritt ein. Um 22:15, als es schon recht dunkel war, begannen wir. Zum ersten spielten wir einmal vor Publikum und ich musste mir immer
wieder klar machen, dass ich, auch wenn ich keinen Text zu sprechen hatte, spielen musste, weil immer Augenpaare auf mich gerichtet waren.
In unserer Vorführung kam auch ein alter "Wochenschaufilm" vor, der nur hier gezeigt wurde. Das schönste war, als ich den letzten Satz
sagte: "Die Menschen sind plemplem!" Dabei viel die ganze Anspannung, alles richtig zu machen, von mir ab.
Vielen hatte es gefallen, also allen die etwas dazu sagten. Aber so ist es ja immer.
17.07.2010
Wir trafen uns zu einer Besprechung. Thomas brachte einen Flyermit, auf dem er und ich zu sehen waren. Das war der Flyer für den
29. September. An diesem Tag werden wir in der Lutherkirche Eislingen die I. und IV. Szene spielen. Thomas meinte, wir sollten auch auf
das schauen, was wir bereits geschafft haben. Und das ist nicht wenig.
21.07.2010
Diese Probe fand bei uns im Haus statt. Wir spielten "Tischtheater". Thomas hatte alle unsere Requisiten aufgezeichnet und ausgeschnitten.
Auf unserem Tisch bauten wir die Bühne auf und gingen den Text durch. Wir verschoben die Kärtchen wenn einer oder etwas sich bewegte
und seinen bisherigen Spielplatz verließ. Das war eine interessante Art zu proben. Was wir schauspielerisch machten, war die Sprache und
die Mimik.
18.09.2010
Wir trafen uns in der Martin Luther Kirche in Eislingen. Thomas, Daniela und ich. Über die Ferien war bei mir langsam ein Stimmbruch
zu vernehmen. Deshalb hatte ich manchmal die Befürchtung das ich mitten beim Singen wegbrechen könnte. Aber es passierte Gott sei Dank
nur zweimal. Ich sang von "Frühling" den Anfang bis "Bäume" von "September" von Anfang bis "Akazienbaum" und von "beim Schlafengehen"
nur "Hände lasst... alles denken" von "Abendrot" sang ich von Anfang bis "Land".
Es klappte eigentlich alles gut und wir waren sehr zuversichtlich. Ich sollte auf einem Sportbock stehen damit ich für jeden sichtbar wäer.
Nachdem Gesungenen spielte Daniela noch weiter und ich laß mit lauter Stimme das ganze Gedicht vor. Mit der Musik im Hintergrund hörte
es sich sehr verzaubernd an. Ich sprach die Gedichte eher als Verkündung, als das ich wirklich lebte was ich sprach.
23.09.2010
Wir hatten nur wenig Platz zum spielen. Ein Tisch, auf dem ich in der ersten Szene saß, stand vor dem Altar. Auch ein Teil des Chors
kam mit Bademänteln. Während Thomas mit den Senioren beschäftigt war, machte ich ein paar Übungen, die, wie ich fand, die besten und
wichtigsten Übungen waren die ich bisher kannte. Als es schließlich an Spielen ging hatte ich anfangs ein bisschen Probleme wieder ins Stück
zurück finden, nach sechs Wochen Pause. Weil Daniela nicht da war konnte ich nicht singen und musste daher nur den Text der Gedichte lesen.
Thomas brachte auch ein paar neue Ideen und Änderungen, mit denen ich erst mal klar kommen musste. Wie z.B mit einer Heckenschere mit
der ich in die Luft schneiden sollte als Flip (ich) Joost (Thomas) in den Finger bis. Was dann schließlich doch nicht eingesetzt wurde.
Stadtessen kam die Säge zum Einsatz die ich auf den Boden werfen sollte, wenn es passiert. Und auch das ich den kompletten Anfang nur
auf dem Tisch sitze. Oder die Einteilung von "September" und "beim Schlafengehen" war neu für mich. Was sich auch dazwischen schieben
sollte war eine Kurze Predigt des Pfarrers. In der kommenden Woche legte ich mich noch mal richtig ins Zeug was das Text lernen betraf.
Ich machte mir auch noch mal ein paar Gedanken wie ich manche Texte spielend darstellen konnte.
29.09.2010
Der Tag der Aufführung!
Den ganzen Tag zügelte ich mich, kein Lampenfieber zu bekommen, was mir auch bis eine Minute vor dem Auftritt gelang. Ich ging mit
Thomas noch mal das komplette Stück durch. Dann bekam ich noch gute Wünsche der Senioren, die mir sagten das ich es sicherlich
schaffen würde. Schaffen, auf jeden Fall. Nur wie man es macht, darauf kommt es an.
Ich spielte was der Text sagte und was mir zum Text einfiel. Freilich, ich erfand manche Gesten erst bei der Aufführung und wenn ich jetzt
daran denke, dann finde ich, dass es ein wichtiger Bestandteil ist beim Theater, auch bei einer Aufführung zu improvisieren was aber nur
die Mimik und die Gesten betrifft. Irgendwann erreichte ich einen Zustand, für den es sich zu leben lohnt. Dieser Zustand ist wirkliches Theater,
dieser Zustand ist es was ich am Schauspiel so liebe.
Es ist der Zustand wenn man völlig mit seiner Rolle verschmilzt, wenn man eins wird, wenn man nur noch Flip und nicht mehr Simon heißt.
"Das ist es was ich meine! Bis zum Äußersten gehen, zur idealen Rolle! Eins werden mit seiner Rolle"
Wenn man spielt bis man alles vergessen hat außer seiner Rolle dann ist es richtig. Wenn man das Publikum nicht mehr als Publikum
sondern als nichts sieht, wenn man vergisst das die Leute dort dir Zuschauen und du eigentlich für sie spielst, wenn man das vergisst ist
man in dem Stück, in der Rolle.
Als es vorbei war, war ich über glücklich, die Zeit war verflogen wie nichts. Ich bekam eine Rose und viele Komplimente.
Was habe ich über das Stück gelernt? Manche Sachen wurden mir erst bei der Aufführung klar. z.B. das die Menschen gleichgültig sind!
In dem Text verborgen steckt sehr viel Wahrheit, das habe ich erkannt.
"Je mehr sie an einen denken desto betroffener scheinen sie zu sein! Und je betroffener sie zu sein scheinen, desto gleichgültiger sind sie!"
"Wenn ein weinender Junge weinend neben einem Elefanten sitz heißt das noch lange nicht das er den Elefanten geliebt hat,
es kann auch sein, dass er ihn begraben muss!" Die Menschen sind plemplem!
Ende